Typische Modernitätsform kann Fassaden-Lebendigkeit des 19. Jahrhundert nicht ersetzen

      Typische Modernitätsform kann Fassaden-Lebendigkeit des 19. Jahrhundert nicht ersetzen

      Zum geplanten Abriss der Häuser an der Bahnhofstraße für eine LWL-Tagesklinik schreibt uns Helmut Teichert (Stadtgespräch von Horst Hassel vom 26/27.1. 2016):
      Das kulturelle Erbe fortschaffen zu lassen heißt, ein kulturelles Alzheimer voranschreiten zu lassen (Francesco Bonami, Kulturkritiker).
      In Plettenberg wird 1957 im Zuge der vorletzten Altstadt-Sanierung in NRW das letzte barocke Zeugnis des 18. Jahrhunderts - das Haase'sche Haus am Umlauf - abgerissen, zusammen mit drei ganzen Straßenzügen (sogenannte "Alte Kafitten") der gleichen Zeit.
      Die "Eisenbahnzeit", Quelle des neuen Wohlstandes im 19. Jahrhundert, wird eliminiert mittels Abriss unter anderem des stadtbildprägenden Viaduktes, der Schwarzen Brücke, des Güterschuppens (Haltepunkt und Pavillon wurden in letzter Sekunde gerettet).
      Im Zuge des nach 1870/71 einsetzenden Baubooms entstehen stadttypische Erweiterungsarme in den vier Tälern rings um die Altstadt, mittels der stuckgegliederten zumeist zweistöckigen Putz- und einigen Klinkerfassaden mit 40 Grad-Dächern und eventuell Giebeln, in lockerer Reihung entlang der neuen Straßen.
      Die oben erwähnte westliche Häuserreihe (Bahnhofstraße 111, 109 und 107) und das ehemalige Rathaus am Altstadtring ansetzend, wird, wie gesagt, von "Münster" als erhaltenswert eingestuft, und es wird empfohlen, sie stehen zu lassen. Da im städtebaulichen Vertragsentwurf vom 5. Januar 2015 nur steht, dass Nummer 111 und 109 "erhalten werden sollen", aber von HBB veräußert werden können, ist das Schicksal dieser Häuserreihung praktisch besiegelt, und so ist es ja genau nur ein Jahr später gekommen.
      Der projektierte versucht allerdings durch die Dreiergliederung offenbar an die bisherigen drei Häuser anzuknüpfen, kann aber durch seine gleichmäßige Viergeschossigkeit und 13 Meter hohe Gebäudekanten sowie durch seine heute geradezu typische spezielle Modernitätsform die um 1900 Fassaden-Lebendigkeit nicht zu ersetzen.
      Der befürchtete „Kulturbruch" in der städtebaulichen Entwicklung ist damit geschehen, das kulturelle Erbe ein weiteres Mal fortgeschafft. Ein Modell mit Ist-Zustand und Sollzustand würde dies sofort verdeutlichen. Wegen dieser Eigenschaft wurden seitens der Stadt Modelle am angegebenen Ort konsequent abgelehnt (bis auf eine, noch nicht eingelöste Ausnahme), der Krankenhaus-Erweiterung.

      Helmut Teichert, 2. Vorsitzender des Fördervereins für Denkmalpflege, Königstr. 31