Erhalt historischer Baukultur in Verbindung mit einem attraktiven Neubau

      Erhalt historischer Baukultur in Verbindung mit einem attraktiven Neubau

      Folgender Leserbrief erschien am 26/27. 1. 2016 im Stadtgespräch von Horst Hassel

      Am kommenden Dienstag wird im Rat über den Abriss der Häuser Bahnhofstraße 109 und 111 entschieden; das Haus Nr. 107 (bisher noch im Privatbesitz) soll ebenfalls abgerissen werden.
      In unserer Nachbarkommune Attendorn, in die ein nicht unerheblicher Teil unserer Kaufkraft abfließt, gibt es offensichtlich eine höhere Wertschätzung für die Stadtgeschichte.
      Im ST vom 22.01.2016 konnte man u.a. lesen, dass im Rahmen des Attendorner Innenstadtentwicklungskonzeptes
      • Die Alte Post als denkmalwertes Gebäude frequenzbringend genutzt werden soll
      • Die „Inwertsetzung der Stadthistorie“ als zentrales Ziel genannt wurde
      • Im Zuge der Umgestaltung des Kloster- und Rathausplatzes die „historisch bedeutsamen Strukturen zur Geltung gebracht werden sollen“.
      Dass die Pläne für ein Einkaufszentrum am Klosterplatz nach Protesten der Bürgerschaft zu den Akten gelegt wurde, ist allgemein bekannt. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zu Plettenberg.
      Die Beschlussvorlage mit Begründung der Abrisspläne und die Pläne für den Neubau der LWL-Tagesklinik wurden den Bürgern erst am Montag, den 17.01.2016 im Internet zugänglich gemacht, obwohl sie bereits am 28.10.2015 im Gesundheitsausschuss thematisiert wurden und am 03.11.2015 im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung in einer Dringlichkeitsentscheidung eine grundsätzliche Zustimmung zur Freistellung der Erhaltungsverpflichtung (=Abrissgenehmigung) erfolgte, wie man jetzt erst erfährt. Stellungnahmen von Bürgern sind zeitlich kaum möglich und wohl auch nicht gewollt. Transparenz sieht anders aus.
      Die Vorgabe im städtebaulichen Vertrag zur Erhaltungspflicht der Häuser wurde am 15.07.2015 wirksam. Nur 3 ½ Monate später lagen die Pläne für Abriss und Neubau vor. Legt dies nicht den Verdacht nahe, dass alles von langer Hand geplant und die Erhaltungspflicht nicht ernsthaft gewollt war? Ratsbeschlüsse sollten verlässlich sein.
      In der Begründung zur Beschlussvorlage wird zwar die geringe städtebauliche Prägung des Gebäudes Nr. 111 genannt, nicht hingewiesen wird aber auf die lt. LWL erhaltenswerte Bausubstanz und empfohlene Erhaltung der anderen Häuser Bahnhofstraße.
      Außerdem werden die unterschiedlichen Ebenen der drei Häuser angesprochen. Eine Zahnklinik, die auch angesiedelt werden soll, ist völlig selbständig und unabhängig von der Tagesklinik. Ich sehe keinerlei Gründe, warum sie nicht in das Haus Nr. 107, falls dieses verkauft werden sollte, einziehen könnte.
      Interessieren würde auch, welche anderen Objekte außer der Villa W.O. Schulte dem LWL angeboten wurde. Da Plettenberg eine Kleinstadt ist, in der beinahe „Jeder Jeden kennt“ finde ich die Lage der Tagesklinik aufgrund der fehlenden Anonymität für die betroffenen Kranken nicht ideal.
      Bei einer anderen Planung könnte andererseits eine Investition von 2,5 Mill. € des LWL für Plettenberg ein Glücksfall sein. Warum ist nicht ein Kompromiss möglich, wenn ein Erhalt aller drei Häuser, wie vom Denkmalverein gewünscht, nicht realisiert werden kann?Mit einem Abriss des Hauses Nr. 111 könnte man sich meiner Meinung nach abfinden.Einen geschmackvollen Neubau
      könnte ich mir an dieser Stelle vorstellen; vielleicht durch einen gläsernen Aufzug mit dem Haus Nr. 109 verbunden. Vollkommen inakzeptabel ist ein Abriss der Häuser Nr. 107 und vor allem Nr. 109, in der sich die älteste Apotheke der Stadt befand. Eigentlich müsste jede Stadt auf ein solches Gebäude stolz sein. Jeder unvoreingenommene Betrachter kann sich vorstellen, welche Schmuckstücke diese beiden Häuser nach einem Anstrich sein würden.
      Für den Architekten Herrn Krach wäre es eine großartige Chance, etwas ganz besonderes für Plettenberg zu schaffen, nämlich den Erhalt historischer Baukultur in Verbindung mit einem attraktiven Neubau. Dies würde ihm und dem Investor Herrn Beßler bei Gelingen auch außerhalb Plettenbergs Anerkennung bringen.
      Ein Vorzeigeobjekt wäre dies meines Erachtens auch für den LWL, der einerseits zuständig ist für Denkmalpflege und Baukultur und andererseits für Einrichtungen wie Tageskliniken etc.
      Nicht zuletzt sehe ich damit aber auch eine große Chance für Plettenberg, das kulturelle Erbe zu bewahren und neu konzipiert in die Zukunft zu führen.


      Gundel Kurth - Böddinghauser Weg 85 - 58840 Plettenberg