Die Rats-Bottleparty von ‘unserem’ Sparefroh

      Die Rats-Bottleparty von ‘unserem’ Sparefroh

      Folgender Leserbrief wurde am 20./21. Januar 2016 im Stadtgespräch von Horst Hassel veröffentlicht:

      Der beste Platz für den Politiker ist das Wahlplakat.
      Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.
      Loriot

      Die Rats-Bottleparty von ‘unserem’ Sparefroh

      Früher auf dem Weltspartag, hatte ich bei der Spar- und Darlehnskasse in der Wilhelmstraße mal einen Preis gewonnen, weil ich ziemlich genau geschätzt hatte, wie viel Pfennige in einem Riesenglas gehortet waren. Durch diesen jugendlich Preis angespornt, habe ich gelernt, wie wichtig das Sparen ist, wenn man es auch wirklich macht. Die Deutschen gelten fast als sparwütig. Aber auf Grund der amerikanischen Geldpolitik und wegen der daraus resultierenden Niedrigzinsphase sind sie doch noch etwas übellaunig und politikverdrossen geworden, liest man hier und da.

      Deshalb ist es wunderbar, wenn ‘unser‘ Neu-Bürgermeister Schulte sich auf dem Neujahrsemfang den eingeladenen „Jubel-Plettenbergern“ als wahrer Sparfuchs präsentierte. Das Stadtgespräch publizierte seine neoliberale „Blut, Schweiß und Tränen“ Rede zum neuen Jahr: Die Plettenberger sollen zukünftig auf allen Ebenen selber anpacken, lautet die Verantwortungsverlagerung von der Politik auf die Bürger. In solch harten Zeiten muss Schulte selber mit „gutem“ Beispiel vorangehen (wie schon beim Wieden-Aufräumen, leider kehrt der neue Besen nur vor und nicht hinter seiner Rathauspforte).Deshalb nur noch 465 geladene Gäste, von denen jeder freudig in die Tasche griff und sein Gläschen Sekt selber bezahlt hat, also eine Art Rats-Bottleparty.

      Jetzt rechnen wir mal die Sparquote vom Sektfrühstück aus:
      Aus einer Flasche kann man fünf Sektgläschen gewinnen. Sagen wir mal 65 Eingeladene sind nicht gekommen, macht 400 Gäste. Also macht dann 400 : 5 gleich 80 Pullen. Nun wollte Hr. Schulte seinen Steuerzahlern keine Billigplörre servieren, sondern hat ordentliche Markenware eingekauft, also 10 Euro die Pulle. Also 80 Pullen mal 10 Euro also 800 Euro Ersparnis. Im Vergleich zu den 1.000 Gästen im letzten Jahr eine Ersparnis von 3.000 Euro für Alkohol.
      (Unsere muslimischen Mitbürger werden hoffentlich wohlwollend vermerken, das wir unter Ratsanleitung auf dem Weg in eine Abstinenzgesellschaft sind.)
      Deshalb gratulieren wir dem Bürgermeister zu seiner Sparaktion, zumindest zu seiner gelungenen öffentlichen Selbstinszenierung als Sparfuchs. Wenn Hr. Schulte sich diesen PR-Gag selber ausgedacht hätte um so besser, aber normalerweise hat man heute dafür einen Spin-Doctor, zumal in den letzten Jahren vom ratlosen Rat soviel überstädtische Kompetenz nach Plettenberg geholt wird. Wenn man die Kosten für einen Spin-Doctor (ca. 3.000 Euro pro Tag) gegenrechnet, dann wären wir jetzt wieder bei einer Sparquote von Null.

      Nun lassen wir mal diese Sparefroh Selbstinszenierungsspäßchen auf der Rats-Bottleparty und kommen ans Eingemachte der „Innenstadtmöblierung“ und den diesbezüglichen Kosten. Abgesehen davon, dass ich neulich gelesen hatte, es wäre jetzt eh nicht mehr genug Geld für die Umsetzung da, addieren sich die Preisausschreibungs-Kosten wohl wie folgt:

      Wofür
      Wieviel?
      Summen
      1. Preis
      24.000

      2. Preis
      13.800

      3. Preis
      9.200

      Zwischensumme
      47.000
      47.000
      Teilnahme Entschädigung (8 X 3.000)
      24.000
      24.000



      Preisrichter
      (übl. 3.000 pro T. u. Person plus RK u. Spesen)


      Prof. Ulrike Beuter
      3.000

      Prof. Bernd Borghoff
      3.000

      Dipl.-Ing. Peter Davis
      3.000

      Prof. Andreas Fritzen
      3.000

      Prof. Oliver Hall
      3.000

      Prof. Karle
      3.000

      Prof. Volker Kleinekort
      3.000

      Prof. Christian Moczala
      3.000

      RK u. Spesen, puadchal 500 pro Person (8 X 500)
      4.000

      Zwischensumme
      28.000




      Ohne Stimmrecht
      (üblich 2.000 pro T. u. Person)


      Nina Overhageböck (LWL)
      2.000

      Anke Barbara (Ev. Kirchengemeinde)
      vermutl. keine Spesen
      2.000

      Klaus Willmers (EHV Südwestfalen)
      2.000

      Stephanie Erben (SIHK)
      2.000

      RK u. Spesen, pauschal 500
      1.500

      Zwischensumme
      9.500
      9.500
      Gesamtsumme

      108.500


      So, wenn ich nun nix vergessen habe, hat die Stadt Plettenberg angeführt von Sparefroh-Neu-Bürgermeister Schulte über den Daumen 100 bis 110tsd Euro Steuergelder rausgehauen, damit ein Wettbewerb für die (längst überfällige) Innenstadtsanierung gemacht werden kann.
      Damit sind wir aber wie immer noch nicht durch mit der Ratsdornenkostenkrone, die den Bürgern aufs Haupt gedrückt wird:
      Denn die Entwürfe wurden vor der Entscheidung weder öffentlich ausgestellt und deshalb auch bisher nicht öffentlich diskutiert und kritisiert, oder? Anwohner und Einzelhändler bekommen keinen Einblick, worum es wirklich geht. Die Inhalte dieser ganzen überteuerten Rats-Selbstinszenierungs-Show wurden wieder einmal vor den Blicken der Bürger verborgen und die Presse ist auch noch rausgeflogen. Die grenzdebile Rechtfertigung des Pressemaulkorbs kommentiere ich gar nicht mehr erst, denn wenn man das obige Zahlenkunstwerk studiert, dann weiß man, warum.
      Also, erst entscheidet huldvoll der Rat, dann wenn alles längst entschieden ist, dürfen die Bürger als Kostenträger auch was sagen. Das nennt man heute Demokratie. Wenn es nicht so dreist und traurig wäre, wäre es nur zum Lachen aber so erzeugt es bloß Zorn. Das sind die stumpfen Waffen der ohnmächtigen Bürger, die ihr Leben als geldgebende „Dauergeiseln“ in den (w)irren Entscheidungshänden ihrer Kostgänger und Stadtentscheidungsbesetzer fristen müssen. Oder mit den Worten von Schulte-Sparbier: „Plettenberg ist eine Stadt mit Flair, in der es sich zu leben lohnt.“ Als Mitglied der Ratscombo mag das stimmen.
      Die Wahrheit der neoliberalen Politik des Rates lautet: Leute, Steuern zahlen, anpacken, selber machen im Generaltausch gegen Klappe halten und nichts mitentscheiden dürfen. Hält der Rat die Bürger für vollbescheuert?

      Man sieht ‘unser‘ Neu-Bürgermeister ist kein Sparefroh, sondern schon längst ein ganz alter Bürgerbevormundungsabzieher-Fuchs in der Ratsparade Paradedisziplin von Partizitainment Mätzchen und dabei die Bürger, die alles gezahlt haben, obendrein als chronisch ‘Unmündige‘ noch abzumelken. So wird das Wahlvolk kurz nach der Wahl verhöhnt.
      Wo hat er seine Hinter-dem-Rücken-der-Bürger-Politik nur so blitzschnell gelernt? Doch von (s)einem Spin-Doctor? Hatte er uns nicht kürzlich in seinem Wahlk(r)ampf noch vollmundig eine neue seriöse Bürgerbeteiligungspolitik versprochen? So schnell sind wir wieder in der traurigen Realität der Plettenberger Governance gelandet.
      Na ja, jetzt sind die Kreuzel gemacht, und nun kann das Panikorchester „Schulte-Sparbier and the restless Ratsbrothers“ wieder ein paar Jahre auf die altbekannte H(K)acke weiter machen, als wenn nie nix versprochen worden wäre. Ich hatte Schultes Partizipations-Versprechungen eh keinen Glauben geschenkt und das auch so schriftlich prognostiziert. Wer noch so naiv war den Herren ‘Sparbier‘ Glauben zu schenken, ist selber Schuld.
      Loriot war ein sehr gescheiter Mann, nehmen wir uns an ihm ein Beispiel.

      Peter-W. Gester

      Ps:
      Mit dem neuen Eigentümer des Hauses zur Sonne wurden auch keine Stillhalteabkommen für das public viewing unterm Glasdach vereinbart. So ist dem Rats-Michel in seiner Schlafmützigkeit auch hier eine „Bürgerberuhigung“ gelungen. Irgendwie muss doch die Altstadt endgültig bürger(be)frei(t) gemacht werden können.

      PPS:
      Die Windkraft ist die nächste Nummer, die such schon vor die Wand gefahren wurde, natürlich auch wieder hinter dem Rücken der Bevölkerung. Dazu demnächst, die entscheidenden Kopien dazu sind längst in ‘unserer‘ Schublade, denn das ganze Rathaus ist nicht mehr ganz dicht.