Ulrich Schulte auf dem kurzen Boulevard von TATINA zu TINA?

      Ulrich Schulte auf dem kurzen Boulevard von TATINA zu TINA?

      Wahlen können gar nichts ändern.
      Schäuble zu Varoufakis
      Wir können nicht zulassen, dass Wahlen etwas ändern.
      Schäuble zu Sapin

      Erstaunlicherweise gibt es Alternativen

      Janis Varoufakis zu El País



      Bzgl. der Demokratieauffassung von Finanzminister Schäuble und dem politischen Verhalten der repräsentativen Minderheit im Plettenberger Rathaus und ihrem neuen strategischen Kopf „Ex-Finanzminister“ Ulrich Schulte (U.S.) scheint es geringe Unterschiede zu geben. Zugestanden, Schäuble verschleudert Billiarden und ist ein ausgesprochen kluger und umsichtiger Stratege. Ulrich Schulte haut nur Millionen raus, das mag ein Unterschied sein.
      In der Politik ist heute die zentrale Frage: Gibt es erstaunlicherweise noch eine alternative Politik (TATINA) oder ist das, was den Bürgern von der Politik vorgesetzt wird, alternativlos (TINA), also „That Astonishingly There Is an Alternative“ oder wie bisher „There Is No Alternative“?

      Auf dem grauenhaften Plettenberger Boulevard gibt Hr. Schulte nun bekannt, dass der Kauf der Flüchtlingsfabrik in Ohle eine strategisch richtige Entscheidung war. Schauen wir uns den Gehalt dieser Aussage einmal etwas genauer an.

      Bedeutung und Zweck von Strategien
      • Im Militär und in der Sicherheitspolitik wird die Feldherrenkunst als die gezielte Anwendung von Gewalt oder die gezielte Gewaltandrohung bezeichnet.
      • Im Schach ist es ein langfristig überlegter Plan über das Verhältnis von Kraft, Zeit und Raum auf einem begrenzten Spielfeld.
      • In der Wirtschaft spricht man von strategischem Management, wenn bspw. ein
      • Plan für eine gewinnbringende Marken-, Markt- und Produktpositionierung eines Unternehmens umgesetzt wird.
      • In der Werbung und bei Big Data spricht von strategischer Steuerung des Käufer- und Wählerwillens.
      Allen diesen Strategiekonzepten ist gemeinsam, dass die erfolgreiche Zielumsetzung mit möglichst sparsamen Mitteln durch kompetente Sach- oder Umfeldkenntnisse realisiert werden soll.

      In der Politik verhält es sich in den letzten Jahren etwas anders. Da gilt nur noch die „TINA Strategie“: „There is no alternative“, zu Deutsch, die Politik hat immer Recht, auch wenn sie offensichtlichen Bullshit verzapft, der nicht nur grottenschlecht, sondern für die Steuerzahler auch noch höllenteuer ist.

      In der Politik bedeutet Strategie also, dass Unsinn dadurch aufgewertet und veredelt werden soll, in dem er rhetorisch als Strategie bezeichnet wird. Solche Politstrategen wollen sich damit in die Assoziationswolke berühmter Feldherren, erfolgreicher Schachspieler und kostenbewusster Unternehmer einschleichen. Bei der ellenlangen Liste der politischen Fehlentscheidungen wird es allerdings zunehmend schwerer, für diesen substanzbefreiten strategischen Unsinn eine gutgläubige Fangemeinde aus folgsamen Schafen zu finden.

      Welche dieser Strategieauffassungen will sich nun Ulrich Schulte zu eigen machen?
      • Meint U.S. damit die finanzpolitische Gewalt der repräsentativen Minderheit gegenüber der Mehrheit der Bürgerschaft, als „veredelnde“, aber die Bürger verelendende Strategie der falschen politischen Entscheidungen zur Finanzierung ihrer Rats-Hobbys wie bspw. dem Schmiedemuseum u.a.v.m.?
      • Oder meint U.S. damit die strategische Illusion der Alternativen zwischen Flüchtlingsfabrikkauf, Steuerhöhung oder Haushaltssicherung?
      • Oder will U.S. uns jetzt suggerieren, dass er nur das „ungewollte und unglückliche Opfer“ der politischen Entscheidungen seines Vorgängers Müller-Luxemburg geworden sei?
      • Oder meinte U.S. das ‘nur‘ als Ausblick auf sein zukünftiges politisch strategisches Vorgehen für seine restliche Amtszeit?
      Wohin ist der innere Kompass von Ulrich Schulte ausgerichtet?
      Übrigens das jahrelange kleinlaute und unwidersprochene Mittragen der (finanz-)politischen Desasterpolitik seines Vorgängers rechtfertigt Ulrich Schulte jetzt als professionelle Loyalität. Jetzt will er seine TINA-Entscheidungen auch noch als Strategie veredelt wissen. Wer soll, will und wird das denn glauben? U.S. war und ist also loyal zu der finanzpolitischen Desasterpolitik seiner die Gesamtheit (be-)steuernden Gruppe der Strippenzieher (G.S.G.S. S.H.I.S.S., bestehend aus den Ratsherren Schrader, Hillert, Ising, Salscheider, Schulte) und nicht loyal mit den Interessen und Wünschen der Mehrzahl der Bürger! Damit wird er nicht zum Garanten einer neuen Politik in Plettenberg, sondern setzt (ganz entgegen seinen Wahlversprechungen) den Kurs von Müller-Luxemburg fort.
      U.S. hätte den Flüchtlingsfactoryhallenkauf absagen können und die Flüchtlinge preiswert in der Schützenhalle unterbringen können; eine Halle, die bis auf wenige Tage im Jahr durch Leerstand glänzt. Dazu hätte er sich jedoch mit bestimmten Besitzstandseliten der Stadt anlegen müssen. Diesen Kampf hat er nicht gewagt, diese symbolische und kostengünstige Gelegenheit zu Beginn seiner Amtszeit hat er verpasst. (Jetzt wird vermutlich noch das Schützenhallen-Not-Lazaret-Argument aus dem Hut gezaubert.) Ulrich Schulte schultert die Kosten lieber auf die Steuerzahler um. Für (s)einen starken, unabhängigen und bürgernahen inneren Kompass spricht das weniger.
      Häufige Familiennamen, wie Müller oder Schulte bekommen zur Familien- oder Sippenunterscheidung im Sauerland Namensadditive, da geht es von Schulte-Acker über Riemen-Schulte bis zu Schulte-Wiese usw.. Familiennamen werden bspw. mit Flurnamen, Berufen oder besonderen Ereignissen verknüpft. Man könnte von einer volkskundlichen Namensveredelung sprechen. So könnte Ulrich Schulte als U.S.S. (Ulrich Schulden-Schulte) oder U.S.S.S. (Ulrich Schulden-Strategie-Schulte) in einer zukünftigen Chronik der Stadt geadelt werden.

      ADAC, VW und DFB von TINA zu TATINA
      Wolfgang Niersbach hatte mit dieser TINA-Strategie im strukturellen Korruptionssumpf des DFB auch lange überlebt und musste nun die Erfahrung machen, dass es zumindest zu seiner Person Alternativen gibt. Niersbachs TINA-Strategie ging so lange gut, wie die deutschen Fußballbürger so gutgläubig und naiv waren, glauben zu wollen, dass zwar der gesamte Weltfußball von oben bis unten korrupt ist, aber es in ganz Deutschland ein korruptionsfreies Sommermärchen gegeben habe. Da lacht selbst Waldi Hartmann. Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann glauben die Deutschen das immer noch? Soviel Gutgläubigkeit ist wahrlich weltmeisterlich.
      ADAC, VW, und jetzt der DFB u.v.a.m. haben ganz Deutschland von Berlin über „Adolfsburg“ bis München in einen Circus Maximus verwandelt. Zumindest personell, aber bisher leider noch lange nicht strukturell politisch, wurden die Beweise einer TATINA-Strategie (That astonishingly there is an Alternative) geliefert, indem diese (aus eigenen Gnaden) überbezahlten Nieten in Nadelstreifen zurückgetreten wurden. Der weltbekannte Wirtschaftswissenschaftler John K. Galbraith bezeichnete diese Funktionseliten als Korruptions- und Betrugseliten.

      Der Einfluss der repräsentativen Minderheit qua Amt auf die Person?
      „Schaun mer mal, dann seh ma schon“, (wie F.K.K. Franz-Korruptions-Kaiser z.Z. schweigt, der sonst zu jedem Kappes einfältige Sprüche parat hat) ob Ulrich Schulte „strategisch“ zukünftig so weiter fahren will, wie bisher, oder ob er noch die Kraft aufbringen wird sich von seiner Strippenzieher-Gruppe S.H.I.S.S. zu emanzipieren? Eine transparente Bürgerfragestunde trotz seiner anders lautenden Wahlrhetorik gehört scheinbar nicht mehr zu seinem Repertoire. Das ist bei seiner Politik insofern verständlich, da die Bürger ihm da doch sehr unangenehme Fragen stellen würden und darauf scheint er schon jetzt keine Antworten geben zu wollen. Deshalb zieht er statt einem ehrlichen und direkten Dialog mit dem Bürgern schon jetzt den Umweg über den gefälligen Plettenberger Boulevard vor.
      U.S. sollte dabei stets bedenken, dass es zwischen den vier Tälern allerdings schon jetzt bei der strategischen Steuerung der Wahlbeteiligung hapert und deshalb die repräsentative Minderheit im Rathaus in Relation zur Bevölkerungsmehrheit ein strategischer „Steuervernichtungs-Wasserkopf“ ist. Auch ein Pfützenkopf kann mal versiegen.
      Das Ämter die Person wandeln und nicht die Person das Amt ist allgemein bekannt. Bei Ulrich Schulte gibt die Lichtgeschwindigkeit der Veränderung seiner Person durch das Amt Anlass zu schwersten Bedenken und größtem Misstrauen. Bei der politschen Entscheidungsgeschichte seines Vorgängers gibt es für den Neubürgermeister keine einhundert Tage kritikbefreiten Einarbeitung. Jeder politische Schritt wird sofort vom ideellen Bürgerkreditkonto abgezogen oder auch dazu addiert. Leider lieferte U.S. zur ideellen Ausweitung seines Bürgerkredits bisher keinen Anlass.
      Die Bürgerschaft ist längst auf dem langen Marsch von einer TINA zu einer TATINA Politik, vielleicht realisiert U.S.S. das noch vor dem Ende seiner Amtsperiode?

      Ps.:
      Und was sagt der Sauerländer über jemanden der richtigen Mist gemacht hat und einem das dann noch als Strategie andrehen will? „Na dat iss mir'n Stratege.“