Birds of a feather flock together

      Birds of a feather flock together

      oder gleich und gleich gesellt sich gern sind alte Volksweisheiten.

      Der Haushalt der Stadt Plettenberg hat täglich bessere Chancen, dass er in ein Haushaltssicherungskonzept abdriftet, ist nun im Stadtgespräch zu lesen. (Haushaltssicherung ist übrigens wieder eine verschleiernde Schönfärbung dafür, dass das Geld nicht mehr reicht; begriffliche Falschmünzerei wäre in diesem Zusammenhang vielleicht der treffendere Begriff.)

      Wie wir alle wissen, hatte sich die Stadt Plettenberg gegen alle guten Argumente, wohlmeinenden Ratschlägen und deutlichen Warnungen mit der SEPA verbandelt bis die SEPA und ihr GmBH-Schachtel-Imperium ‚plötzlich‘ implodierte und die SEPA als Pleiteinvestor wegschmierte. Informierte Bürger die das vorher öffentlich angedeutet hatten, wurden vom scheidenden Bürgermeister und seiner Entourage auf den Wahlprüfsteinen 2014 niedergebrüllt. Ein paar Tage später musste die Plettenberger Politik die Pleite offiziell eingestehen. Da gab es lange Gesichter und betretene Mienen. Unter diesen Perspektiven gewinnen die alten Volksweisheiten Bedeutung.

      Unverdrossen machte die Stadt mit dem MY-Center weiter und präsentierte jüngst mit stolzgeschwellter Brust die Mietverträge. Präsentieren ist natürlich leicht übertrieben, denn wir wissen natürlich bisher nicht welchen Inhalten, welche Bedingungen und welche Ausstiegsklauseln usw. diese Mietverträge beinhalten. Logisch, Investorschutz heisst das in der neoliberalen Postdemokratie mit Governancesauße. Werner Rügemer hat das Gebahren der Investoren und das Zusammenwirken mit der öffentlichen Hand hinreichend analysiert. Es schaudert den Leser nicht nur nach dieser Lektüre, sondern es wird einem speiübel.

      Dafür ist es nun amtlich, dass das ISEK Innenstadt-Sanierungskonzept mangels Moos und drohender Haushaltssanierung ins Wasser fällt.
      M.a.W. die ganze ISEK Story war von vorherein wieder eine Propagandalügennummer, um den gutgläubigen Bürgern weiß machen zu können, es kommt nicht nur das MY-Center, sondern wir tun mit ISEK was für die Altstadt, das ist ein durchdachtes Gesamtkonzept und kein unüberlegter Schnellschuss. Beim MY-Center ist die Tinte auf der Bebauungsplanung noch nicht trocken und schon werden die Patschomkinschen-Innenstadtsanierungs-Lügendörfer im wahrsten Sinne des Wortes einkassiert.

      Die Hrn. Müller, Schulte und Viteritti wussten das vermutlich schon länger, denn Sie haben uns ja schon mit ihrer Lampenputzaktion beim Bärenaufbinden heimgeleuchtet. Sonst sollen die Bürger die Klappe halten und vor allem nix mitentscheiden dürfen, aber wenn die Stadt blank und kein Geld mehr da ist, dann sollen sie plötzlich munter beim Sparen helfen. Laut Hrn. Schulte ist das dann ganz plötzlich unsere Stadt. „Beteiligen Sie sich“, wird dann schon fast im Befehlston trompetet. Wenn sich die Bürger beteiligen, mitbestimmen oder einen Bürgerentscheid wollen, dann wurden Sie verhöhnt. Genau diese asymetrischen Doppelmoral ist es, die die Bürger erst fassungslos zurück lässt und dann auf die Palme, aber nicht mehr an die Wahlurnen bringt. Die Tiefenstrukturen dieses ungleichen Beziehungsangebotes hat Peter Sloterdijk in seinem Werk „Die nehmende Seite und die gebende Hand“ beschrieben.
      Die Politik fährt den Karren vor die Wand, und nun
      sollen die Bürger plötzlich kommen und aufräumen helfen. Sonst will die nicht mehr repräsentative Minderheit der gewählten Plettenberger Polit-Repräsentanten den großen Zampano spielen und alleine das Sagen haben. Bringen die Bürger ihren Frust darüber zum Ausdruck werden sie von selbigen Herrschaften abgewertet und blöde angemeiert.
      Bei den Banken die gleiche Masche, erst wird die Kohle verzockt und dann sollen die Bürger mit ihrem Moos die Banken retten. Gewinne werden kassiert, Verluste werden sozialisiert.
      Damit ist die zentrale „Geschäftsidee“ der neoliberale Postdemokratie mit Governancesauße durch wenige Sätze auf den Punkt gebracht, für alle die jenigen, die immer noch nicht kapiert haben was los ist und so läuft.

      Aber damit natürlich wie immer noch nicht genug, denn schauen wir uns bspw. mal die Finanz Nachrichten über Charles Vögele an, eine Textilfirma, die demnächst ins My-Center einziehen soll.
      Schon die einfache Google Suche bringt da Interessantes an den Tag und damit sind wir dann wieder bei den alten Volksweisheiten bzgl. der Familienähnlichkeiten unter Vögeln.
      Die Überschriften lauten:
      2013: Charles Vögele weiter in Verlustzone | Handelszeitung.ch
      2014: Charles Vögele: Umsatz weiter im Sinkflug - TextilWirtschaft
      2015: Charles Vögele mit weniger Umsatz - Präsident tritt ab ...

      Seit sechs Jahren ist Vögele schwerstens angeschlagen, die Firma strauchelt, schafft trotz Sanierer den Turnaround nicht, verkleinert ihr Filialnetz und hat weitere Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen angekündigt. Vögele expandiert nicht, sondern reduziert sich. Aber von der Plettenberger Politik wird Vögele den Bürgern als seriöser Mieter des My-Centers präsentiert, der nun demnächst die Kundschaft aus Attendorn und den andern Nachbarstädten nach Plettenberg holen wird. Hoffentlich gibt es bei der Eröffnung des My-Centers die Firma Vögele noch und hoffentlich geht sie bis dahin nicht den Weg von SEPA oder ist in der „Hausshaltsicherung“ und verkleinert ihr Filialnetz weiter.
      (Abgesehen davon bei der Eröffnung sind wir aus ganz anderen Gründen noch lange nicht.)
      Fragt man dann nicht nur Google, sondern Insider aus der Textil- und Modebranche klingen die Nachrichten noch einiges besorgniserregender als bei Google. Über die Vögele Filiale in Plettenberg werden da Tränen gelacht und sich dabei kräftig auf die Schenkel gehauen nach dem Motto, die Plettenberger Politik scheint sich in der Textilbranche nicht so besonders gut auszukennen, die sind wohl a bisserl weltfremd und naiv oder wie?
      Deshalb hätten wir doch so gerne mal die Ausstiegsklauseln aus dem Mietvertrag gesehen.

      Wie macht Ulrich Schulte den Bürgern Mut?
      „Ein bisschen „Spinnen“ ist erlaubt, aber nicht alle Ideen können umgesetzt werden, aber keine Idee ist so abstrus, das darüber gelacht wird. Der Blick von außen ist oft hilfreich.“
      Stimmt fast genau, denn hätte die Plettenberger Politik und ihre Personal nicht so viele Abstrusitäten in den letzten Jahren auf's Parkett gelegt, dann wären diese Ermunterungen überflüssig. Aber wo war Hr. Schulte als diese Abstrusitäten entschieden und abgefackelt wurden? Wann hat er sich wo öffentlich dagegen zu Wort gemeldet? Soweit ich weiß, nie und nirgends oder doch? Wenigstens wird mittlerweile über die Plolitik kräftig gegeiert: Birds of a feather, flock together!

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