Gibt es einen Zusammenhang zwischen Wahlprüfsteinen, Mammut-Baum und struktureller Korruption oder worum geht es wirklich?

      Gibt es einen Zusammenhang zwischen Wahlprüfsteinen, Mammut-Baum und struktureller Korruption oder worum geht es wirklich?

      Die Erzeugung von Dummheit hat also zunächst immer diese beiden Hauptelemente:
      Den anderen (oder sich selber) daran hindern zu sehen
      (richtig zu sehen, genau zu sehen, klar, tief, weit etc. genug zu sehen),
      und den anderen (oder sich selber) daran hindern daraus Schlüsse zu ziehen
      (entweder überhaupt, durch das Bild, das keine Schlüsse zuläßt und zum »es ist wie es ist« führt,
      oder daran richtige, klare, unkontaminierte, persönliche und freie Schlüsse zu ziehen).
      [Das entspricht dem riskanten Denken.]
      ...
      Das ist die Urdrohung der Blödmaschine: Das sie vom Mittel zum Zweck wird.
      Seeßlen u. Metz (2011: 42 f)


      Inhaltsübersicht

      Einleitung: Rote Rosen

      I. Zur Theorie
      Was ist strukturelle Korruption?
      Was ist Meta-Kommunikation?
      ADAC oder ein Scheinverein? Ein Beispiel
      Was ist eine (kommunikative) Kontextmarkierung?
      Daraus abgeleitet wird für die Plettenberger Politik folgende Meta-Kommunikations-Regel sichtbar

      II. Zur Praxis
      Ist das Abenteuer des riskanten (selbstständigen) Denkens in Plettenberg noch erlaubt oder ist es (schon) zu riskant?
      Ein Beispiel von den Wahlprüfsteinen
      Mit Major Tom durch die Stadtratsgalaxis
      Was könnte das nun konkret für die Zukunft am Beispiel des Todesurteils des Mammut-Baums bedeuten?
      Die Unterscheidungen von Carl Schmitt
      Legal, illegal oder scheißegal?
      Willkommen in der realen Blödmaschine der lobbygesteuerten Demokratie
      Sinkende Wahlbeteiligung und strukturelle Korruption. Eine Zusammenhangsvermutung
      Was sonst noch so alles wissenswert sein könnte

      Fazit

      Einleitung: Rote Rosen
      Wird ein Thema über Wochen als zentrales Thema in einer Seifenoper (aus der erste Reihe) abgehandelt, dann kann man völlig sicher sein, dass es sich um ein äußerst breitenwirksames Thema handelt, das in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und dieses Thema die Bürger mittlerweile gewaltig auf die Palme bringt. Seifenopern sind keine antibürgerlichen Veranstaltungen, bei denen sich unsichtbare (Revolutions-)Komitees vor dem Bildschirm treffen, die den Aufstand planen, sondern normale Bürger, so wie du und ich.
      Die ARD Seifenoper „Rote Rosen“ (wöchentliche Traumquoten und tägl. 1,8 Mio Zuschauer) dekliniert das Thema strukturelle Korruption z.Z. in epischer Breite am Beispiel des gewieften und skrupellosen Stadtmobiliarunternehmers Dicki Drechsler, ein ehemaliger Schulkamerad des korrupten „Lüneburger“ Soap-Oberbürgermeisters Naumann und dem aufrechten Umweltdezernenten Thomas Jansen durch. Trotz Seifenschaum gibt es bei Rote Rosen spätestens am Ende einer Staffel ein Happy End. Die Bösewichter werden der gerechten Strafe zugeführt, oder sie richten sie sich selbst oder landen im Knast oder verfallen dem Wahnsinn und fristen ihr Leben desorientiert in der Psychiatrie. Telenovellas funktionieren nur mit der Illusion von Gerechtigkeit.
      Erfüllt die etablierte Politik in Plettenberg also alle Kriterien einer Seifenoper? Nur mit dem Unterschied, dass Plettenberg keine Truman Show, sondern eine richtige Stadt mit realen Bürgern, wenn sich die Politik diesen Tatsachen gelegentlich entsinnen würde. Vielleicht würde es auch nicht schaden, wenn die Plettenberger Politik(er) ihre Hirne zu ihrem Realitätsabgleich gelegentlich mit eine Klinikspackung Seifenopern durchspülen würden und dabei zur Kenntnis nehmen würden, welche Themen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind? Sie sind doch die Volksvertreter der Volksparteien, oder wie?


      I. Zur Theorie:
      Doch nach gutem wissenschaftlichen Brauch geht es zunächst darum, einige Arbeitsbegriffe zu klären und zu definieren, damit wir uns darüber verständigen, worum es hier geht. Die Begriffe sind
      - Strukturelle Korruption,
      - Meta-Kommunikation,
      - Kontextmarkierung.

      Dazu schreibt das Aktionsbündnis direkte DemokratieStrukturelle Korruption ist, „wenn „legal“ Zahlungen an Personen fließen, um systematisch deren Anpassungsfähigkeit und Gefügigkeit sicherzustellen. Strukturelle Korruption hat keine konkrete, spezifisch von einer bestimmten Person erwartete Gegenleistung. Strukturelle Korruption schafft Verhältnisse, in denen die Masse der Zahlungsempfänger sich zum Schaden der Gesellschaft entsprechend der Erwartungen der Korruptionszahler verhält, zugleich individueller Widerstand kurzzeitig möglich ist – dann aber auf Dauer zum Verlust der Position und damit der Korruptionszahlung führt. Die “Legalität” der Zahlung ändert nichts am unmoralischen und damit verachtungswürdigen korrumpierenden Sachverhalt.“
      oder
      bzgl. struktureller Korruption in der Medienlandschaft zitiert Uwe Krüger in seiner Untersuchung „Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse “ den Journalismusforscher Prof. Siegfried Weischenberg: „Korruption liegt im Journalismus dann vor, wenn Medienschaffende nicht drucken oder senden, was sie wissen. Oder wenn sie sie loben, weil sie im weitesten Sinne bestochen worden sind.“ (Weischenberg, Wahlverwandte 2002/8 S. 10-15).
      Kurz um, man kann strukturelle Korruption als einen wissenschaftlich definierten Begriff der Lebensweisheit: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, angereichtert durch die Idee einer strukturellen Ausprägung und Häufung verstehen.

      Der ADAC ein Scheinverein? Ein Beispiel
      Das ist eben auch gleichzeitig das Problem bzw. die Frage, wo ist der schmale Grad zwischen völlig unabhängig und (noch) legal (erlaubt), aber (noch oder schon lange) nicht mehr legitim und dann zusätzlich auch nicht mehr legal und dann auch noch offensichtlich korrupt? Die NGO, Transperancy International weiß davon ein bitteres Liedchen zu singen.
      Der letzte Laden, der mit dieser Problematik dick auf die Schnauze geflogen ist, war der ADAC, und auch da geht es nach einigen oberflächlichen Korrekturen der Strukturen munter weiter, wie gehabt (siehe dazu den Film: Der ADAC - Ein Scheinverein ). Bspw. testete der ADAC (bisher?) bspw. andere Werkstätten (meistens schlecht) und eröffnete gleichzeitig ein eigenes bundesweites Werkstattnetz. Das ist ungefähr so, als wenn bspw. VW die Fahrzeuge anderer Hersteller testen würde und nicht neutrale Testorganisationen. (Na ja, ob bspw. der TÜV heute noch neutral ist, ist die nächste Frage.)
      Das Image des ADAC ist nun bös ramponiert, doch mittlerweile ist es heute auch in der ersten Reihe von ARD und ZDF Gang und Gäbe, dass bei den Öffentlich Rechtlichen Umfragen manipuliert werden. Also was solls? So isses halt?

      Was ist Meta-Kommunikation?
      Dass Kommunikation bedeutet, dass Leute zusammen reden, weiß heute jeder Mensch. Interessanter ist der Begriff Meta-Kommunikation. „Meta“ bedeutet „Hinter“ oder “in der Tiefenstruktur von Kommunikation“. Also die Kommunikation hinter der Kommunikation. Man geht davon aus, dass jenseits der sicht- und hörbaren Oberflächenstruktur einer Kommunikation eine Tiefenstruktur gibt. Wird diese Tiefenstruktur richtig entschlüsselt, versteht man, worüber wirklich geredet wird. Bei der Meta-Komunikation geht es also jenseits dessen, was geredet wird, darum, wie geredet wird und was es für wen wirklich bedeutet und worum es sich wirklich dreht.
      Die Meta-Kommunikation wird dann dekonstruiert oder auf gut Deutsch nach den Regeln der Kunst auseinander genommen und dabei gefragt, wem die Kommunikation nützt und für wen welche Vorteile bringen wird. Typische Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt würden, sind folgende:
      - Wer spricht mit wem, worüber, wie und wie oft in welchem sozialen System? (z.B. im Stadtrat)
      - Wem wird das vermutlich, wobei, wozu, auf welche Art und weise Vorteile bringen? (z.B. bei seinen Entscheidungen)
      - Welche (unausgesprochenen oder sogar tabuierten) Regeln gibt es für diese Kommunikationsart?
      - Wer macht die Regeln für diese Kommunikation?
      - Wer installiert und setzt diese Regeln durch und wer versucht sie (mit welchen Mitteln) gegen Widerstände aufrecht zu halten?
      - Wer entscheidet, dass diese Regeln noch funktional sind (auch wenn sie es nicht mehr sind)?
      - Wem gewähren diese Regeln, welche Vor- und Nachteile?
      - Wer darf diese Regeln (ungetraft) in Frage stellen?
      - Wer darf (ungestraft) diese Regeln ändern?
      - In welchen lang- oder kurzwelligen Mustern spielt sich diese Kommunikation ab?

      Was ist eine (kommunikative) Kontextmarkierung?
      Dem Pferd wird nachgesagt, wenn es den Stall ‘riecht‘, dass es dann schneller nach Hause und zum Futter trabt. So wie das Pferd (unbewusst) seinen Stall ‘wittert‘, zeigt die Kontextmarkierung an, dass eine bestimmte Umgebung, ein bestimmtes Umfeld oder ein bestimmter zunächst erwarteter Bedeutungszusammenhang vorliegt. Wenn z.B. ein Steuerberater sagt, bringen Sie bitte ihre Bilanzen mit, damit ich sie prüfen kann, ist das eine erwartbarer Kommunikationsakt, wenn ein Arzt sagt, machen Sie sich bitte frei, ich möchte sie untersuchen, ist das ebenso erwartbar. Umgekehrt wäre das schon erstaunlicher, unerwarteter und dadurch auffälliger. Sagte der Steuerberater ziehen sie sich aus und der Arzt verlangt die Bilanzen würde man sich fragen, won bin ich gelandet, was ist hier wirklich los.
      Wenn also Bm Müller sich öffentlich über die angeblichen sarkastischen Boshaftigkeitszuschreibungen seiner Politik aufregt, weil er über den Mammutbaum ein Todesurteil gefällt hat und eine andere Kommunikation einfordert, die liebe- und verständisvoller mit ihm umgeht, stellt sich die Frage was soll diese kommunikative Kontextmarkierung bzw. Kontext-Verdrehungung? In Dortmund würde man von Schmonzes sprechen. Wovon soll abgelenkt werden, welche Wahrnehmungslücke soll erzeugt werden, welche Dimensionen des eigenen Handelns werden da auf die Bürger verschoben und ähnlche Fragen mehr.
      Kommunikative Kontextmarkierungen unterlaufen häufig unbewusst. Sie markieren und (vor-)formatieren demgemäss Sprechakte, Phantasien, Sinn- und Entscheidungskontexte und damit Handlungszusammenhänge. Da sie häufig unbewusst vorformatiert sind, unterliegen sie nicht der willentlichen Kontrolle der Protagonisten. Dem aufmerksamen Beobachter liefern sie dadurch entscheidende Glaubwürdigskeitseinschätzungen und Suchhinweise.
      (Wer schätzt bspw. Putin (von Obama ganz zu schweigen) z.Z. für besonders glaubwürdig und sympathisch ein?)
      Die bekannte sprachliche Fehlleistung ist ein ähnliches Phänomen, dass aber nur auf einzelne Personen und Sprachbilder beschränkt bleibt, die kommunikative Kontextmarkierung deutet erweitere Zusammenhänge an.
      Sicher empfindet es Bm Müller ungerecht, wie er es wegen des Mammutbaumes ordentlich auf den Deckel bekommen hat und sicher wünscht er sich die alte Umgangskuscheligkeit zurück. Aber was will er mit seinen sarkastischen Boshaftigkeitszuschreibungen wirklich sagen oder verbergen, fragt sich der aufmerksame Beobachter und Bürger?

      II. Zur Praxis
      Ist das Abenteuer des selbstständigen (riskanten) Denkens in Plettenberg noch erlaubt oder ist es schon zu riskant?
      Was kann man nun mit diesen Begrifflichkeit bei der Analyse des Plettenberger Politikbetrieb anfangen?


      Ein Beispiel von den Wahlprüfsteinen
      In diesem Zusammenhang möchte ich zunächst an folgendes Meta-Kommunikations-Muster am 5. 5. 2014 erinnern:
      Als ich mich auf den Wahlprüfsteinen des Denkmalvereins zur wirtschaftlichen Seriosität des ehemaligen Investors Sepa nur kurz geäßsert hatte und die wirtschaftliche Seriosität der Sepa in Frage gestellt hatte, brach der Strum los und die anwesende etablierte Ratstr(s)uppe flippte aus, einschließlich der anschließenden Berichterstattung im Käseblatt. Ein paar Tage später kam die Pleite der Sepa in Plettenberg durch aufmerksame Bürger und Journalisten ans Licht (eine Pleite, die allerdings anderenorts schon bekannt war). Bm und Stadtrat wurden angeblich auch von dieser Nachricht überrascht. Wer das glaubt, wird selig oder sogar heilig gesprochen.
      Dann kamen zunächst die entsprechenden Dementies, die Luxemburger Lügengeschichte wurde auch noch aufgedeckt (siehe dazu auch die absurde Maiplatzbänke-Debatte, da war die UWG ganz vorne mit dabei usw.).

      Aus diesem Vorfall (Skandal) kann man vermutlich ein Meta-Kommunikatiosmuster des Plettenberger Politikbetriebs ableiten, denn wie Theorie, Praxis und Erfahrung lehren, haben einmal aufgedeckte Meta-Kommunikationsmuster kommunikations- und kontextmarkierende Wirkung. So werden in einem Meta-Kommunikationsmuster (sozusagen als Frühwarnsymptom) die tiefenstrukturellen (eigentlichen) Motive eines Politikbetriebs (in diesem Falle des Plettenberger Politikbetriebs) sichtbar, bevor offziell darüber gesprochen wird.
      Oder, auf gut Deutsch, es wurden durch diese Beispiele allgemeingültige Tiefenstrukturen des Plettenberger Politikbetriebs sichtbar. Mit anderen Worten, wer heute die Oberflächenstrukturen zu lesen versteht, ahnt, dass in der Tiefenstruktur wieder was ‚gedreht‘ wird.
      Für die Sepa-Pleite würde das bedeuten, Bm und Ratstruppe ist auf Grund meiner kleinen zweifelnden Bemerkungen zur wirtschaftlichen Seriosität der Sepa, deshalb so übermäßig ausgeflippt, weil sie längst Bescheid wusste und sie sich bei etwas ertappt fühlte, was sie den Bürgern noch länger, zumindest bis nach der Kommunalwahl, zu verschweigen gehofft hatte.
      Also man prügelte auf den Sack (mich) ein und meinte aber die Sepa, deren Eseleien noch nicht auf den Tisch kommen sollten.
      Dadurch, dass das die Sepa-Pleite noch vor der Wahl auf den Tisch kam, ist die Wahlbeteiligung auf einen neuen historischen Tiefstand abgeschmiert (dazu unten mehr).

      Daraus abgeleitet gilt für die Plettenberger Politik folgende Meta-Kommunikations-Regel:

      Je härter und entschiedener, eiliger, pseudobegründeter und gleichzeitig unsinniger und gegen den Bürgerwillen der kritischen Öffentlichkeit entschieden und gehandelt wird, desto mehr soll Business as usual, Entschiedenheit und Sicherheit der Plettenberger Entscheidungseliten demonstriert werden, weil sich dahinter (meta-kommunikativ) ein ziemlicher Kuddelmuddel andeutete, von dem abgelenkt werden soll.
      Diese Meta-Kommunikationsmethoden kennt man aus der Illusionstechnik:
      Während bspw. ein Zauberkünstler seinen Zaubertrick ausführt, lenkt er gleichzeitig die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer durch betont aufgebauschte Nebensächlichkeiten (z.B. gespielte Empörung) vom eigentlichen Zaubertrick ab. Dadurch erzeugt er bei dem Publikum eine Wahrnehmungslücke, die er dann für seine Zaubertricks zum Beispiel etwas verschwinden zu lassen, zu nutzen versteht. Die umgangssprachliche Bezeichnung dafür ist ein Taschenspielertrick. Ratsfrau Langhammer kann auf diesem Gebiet sicher kompetente Auskunft geben.
      Es gilt die kleine Einschränkung, dass es sich bei Parlamentsmitgliedern (außer als Nebentätigkeit) eigentlich nicht um Illusionskünstler handeln sollte, aber wie Seeßlen und Metz (2011) in ihrem Buch „Blödmaschinen Die Fabrikation von Stupidität “ analysieren, ist die Illusionszauberei in Parlamenten heute leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das erklärt den täglich wachsenden Vertrauensverlust und Bürgerfrust, der sich in Nichtwählerschaft niederschlägt. Plettenberg ist auf diesem Gebiet landesweit und wahrscheinlich sogar bundesweit führend.

      Mit Major Tom per Anhalter durch die Stadtratgalaxis
      Sprechen die Plettenberger vom Rathaus oder vom Stadtrat wird sehr häufig auf die Metapher des Raumschiff-Rathaus zurückgegriffen. Es soll damit gesagt werden, dass die Politiker völlig abgespacet in dem bürgerfernen virtuellen Welten-Raum der Ratsgalaxis schweben und von der Wirklichkeit nichts mehr mitbekommen. Das hat zwei Funktionen:
      Die erste Funktion besteht in entlastenden Selbstvergewisserung des jeweiligen Sprecher, dass von oben aus dem Rathaus nichts Gutes kommen kann, weil das Rathaus bzw. der Stadtrat nur noch den Parolen aus der Space Oddity von David Bowie gehorcht (groundcontrol to Major Tom oder in seiner deutschen Fassung von Peter Schilling „Völlig los gelöst von der Basis“).
      Übrigens da hatte selbst Hitler bei vielen Volksgenossen eine bessere metaphorische Relation, da hiess es: „ Wenn das der Führer wüsste“, dann würde er da oder da aufräumen und für „Ordnung sorgen“, was er dann ja leider auch bis hin zum Weltkrieg und Holocaust tat.
      Die zweite Funktion wird meisten nicht bewusst adressiert, weil sie auf eine weniger bekannte Metapher aus dem alternativen Literaturkanon von Douglas Adams anspielt. In „Per Anhalter durch die Galaxis “ sagt der Zaphod Beeblebrox und zeitweise Präsident der Galaxis: „Mein Job ist nicht Macht auszuüben, sondern die Aufmerksamkeit von ihr abzulenken“.

      Was könnte das nun konkret für die Zukunft am Beispiel des Todesurteils des Mammut-Baumes bedeuten?
      Je mehr es zu dem Mammut Baum öffentliche Kritik und berechtigte Leserbriefe gab, die natürlich zu keiner Einstellungsänderung bei den politischen Entscheidern führten, weil alles schon längst im Vorfeld entschieden war, (der Baum wurde am Tag nach dem Ratsbeschluss sofort gefällt, damit endlich wieder Ruhe einkehrt), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei dem auslösenden Objekt, Projekt, Organisation (GWU) bald eine skandalöse Entwicklung geben könnte, von der abgelenkt werden soll, insbesondere dann, wenn sich der Bm mal wieder wie die naive Unschuld vom Land aufführt und sich über die Zuschreibung empört, er habe bzgl. seines Todesurteils für den Mammutbaum (Herr Müller wäre ja so gerne Richter) ein parteiliches Urteil, in offensichtlicher Abhängigkeit von seinen Interessen als GWU -Vorstand und Beirat gefällt und er sich diese offensichtlichen Hinweise seiner strukturellen Befangenheit und Verwebung mit der GWU als sarkastische Boshaftigkeiten verbittet. Dadurch erzeugt Herr Müller eine Wahrnehmungslück, alle starren gebannt auf den armen Mammutbaum und nicht auf die GWU, was vieleicht nützlicher wäre. Damit ist die Ablenkung gelungen.

      Folglich, wenn demnächst plötzlich ans Licht käme, dass sich hinter den pseudoempörten sarkastischen Boshaftigkeitsdönekens von Bm Müller bzgl. seiner strukturellen Verwebung mit der GWU (Vorstand und Beirat), (die ihm auch noch zur Beseitigung der Wohnungsnot nach dem Kriege historisch satzungstechnisch vorgeschrieben wird), mehr verbirgt, dann würden sich darüber wieder nur naive Geister und schlichte Bürger wundern. Den meta-kommunikationsgeschulten Bürger überrascht das nicht, denn er weiß die Zeichen der Zeit zu lesen und zu deuten.

      Es stellt sich also die Frage, ob es sich bei diesem Meta-Kommunikationstheater nicht nur um die Indikation von mangelnder Unabhängigkeit des Bm, sondern, ob es sich um strukturelle Korruption nach den obigen Definitionen handeln könnte. Und wohl gemerkt, damit die ganze Geschichte keinen falschen Zungenschlag bekommt: Nach der obigen Definition ist strukturelle Korruption nicht ungesetzlich oder gar verboten, sondern völlig legal und in Plettenberg sogar historisch verankert. Also, selbst wenn ein Bürgermeister von Plettenberg wollte, könnte er gar nicht so ganz einfach anders, als bei der GWU an entscheidender Stelle mitzumischen. Nur diese Teile der Satzung hätte er oder einer seiner Vorgänger schon lange ändern können, und er hätte nicht auch noch das Todesurteil für den Mammutbaum fällen müssen.
      (Da Bauamtschef Engelkemeier durch seinen Kauf des Wagnerschen Hauses befangen war (nur die Aktivitäten des Denkmalsvereins machen den Haus- und Grundstückskauf mit Mammutbaum überhaupt erst möglich) musste sich der Bürgermeister sozusagen für das Todesurteil vom Mammutbaum opfern, ach der gute Bürgermeister, er hat sich nur wieder opfern müssen).

      Die Unterscheidungen von Carl Schmitt
      Und selbst wenn alles legal ist, wurde in diesem Forum (mit Hinweis auf Carl Schmitt Schrift Legalität und Legitimität ) schon mehrfach darauf ermahnt, dass nicht alles, was legal ist, in den Augen des Wahlvolkes auch legitim ist. Auch wenn bspw. die Plettenberger Rechtsanwaltspolitiker Müller, Hillert, Schade und Dienstühler sich richtigerweise auf Pontius Pilatus, Herodes, Kaiphas oder die Passionsgeschichte berufen und ihre Hände in Unschuld waschen würden, wird aus legal noch lange nicht legitim in den Augen der Plettenberger. Der zweitausendjährige Strukturschatten dieser biblischen Geschichten und Strukturen weißt auf die unausrottbare Beständigkeit solcher Strukturen hin und macht den nahen Osten bis heute zu einem brandgefährlichen Pulverfaß.
      Nicht von ungefähr hat die Wissenschaft mit dem transdisziplinären Ansatz des Strukturalismus ein Analyseinstrumentarium für solche Phänomene hervorgebracht. Obama ist das beste Beispiel dafür, dass das Amt die Person mehr verändert, als die Person das Amt. Dabei hatten sich anfänglich ein paar schwedische Naivlinge Illusionen gemacht und Herrn Obama etwas voreilig den Friedensnobelpreis verliehen.
      Also, nicht die einzelnen Personen sind korrupt, ganz im Gegenteil, sondern die Struktur begünstigt bzw. erzwingt korrumptive Strukturen, den damit verwobenen Filz und ein sich koevolvierendes Verhalten (Koevolution markiert als Modell gleichzeitig den wissenschafttheoretischen Paradigmenwechsel vom Strukturalismus zu systemischen Perspektiven), und die einzelnen Personen handeln dann koevolutionär in den vorhandenen Strukturen. Das koevolutionäre Handeln setzen sie allerdings nicht für die Bürger und deren Interessen und wünsche ein, sondern eben gegen die Wünsche und Interessen der Bürger, wie die aktuelle AfD Befragung der Geschäftsleute in der Altstadt belegt.
      Es sei bemerkt, dass die Berufsgruppen der Anwälte, Beamten bzw. Verwaltungs- und Bankangestellten (nicht nur) im Plettenberger Parlament etwas überproportional repräsentiert zu sein scheinen und das im Gegensatz zu der unterproportionalen Wahlbeteiligung besonders ins Auge sticht. Nun ist gegen gute Anwälte, Beamte bzw. Verwaltungs- und Bankangestellte sicher nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil, aber es geht um die Häufung dieser Berufsstände und ihre bevorzugten Perspektiven, denn alle Berufsgruppen kranken unter einer Déformation professionelle (Betriebsblindheit, soweit nichts Neues), die aber durch die Berufsgruppenhäufung zur politischen Déformation professionelle des ganzen Stadtrates führt.

      Aber, wenn es nun alles so ist, wie es nun mal in Plettenberg ist, stellt sich die entscheidende Frage, ob und welche Tiefenstruktur(en) sich hinter Bm Müllers Empörungstheatralik verbergen könnten und was demnächst mal wieder ans Licht kommen könnte.

      Legal, illegal oder scheißegal?
      Aber, auch keine Bange, selbst wenn das der Fall sein sollte und sich der nächste Skandal dadurch schon ankündigen würde, wird das keine Folgen oder Konsequenzen haben. Warum auch? Das hatte es im Falle My-Center bisher auch nicht, es geht munter weiter wie bisher. Man stelle sich nur vor: in der Bevölkerung wird z.Z. die Meta-Kommunikation (der Marktschnack) gepflegt, dass es mit dem My-Center eh nichts wird und die Politik nur vorbereitet, wie sie ohne Gesihchtsverlust das Projekt beerdigen könne. Wenn alleine schon eine solche psychologische Feudalherrenpsychologie über Gesichtsverlust auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus kursiert, ist es um das Image der Politik (siehe Wahlbeteiligung) nicht gut bestellt.
      Strukturelle Korruption ist also nicht nur legal und gehört wie Seeßlen/Metz und andere schreiben zum strukturellen Inventar dieser Republik, sondern sie ist auch politisch erwünscht und wird gesetzlich begünstigt. Bspw. schreiben in den Berliner und Brüsseler Ministerien hunderte (vermutlich tausende) von der Industrie bezahlte ‘Experten‘ (heute meistens immer noch Konzernangestellte) an den Gesetzentwürfen mit und formatieren und frisieren die Gesetzesvorlagen im Sinne ihrer Konzernvorstände und Aufsichtsräte. Das nennt man nur üblicherweise Lobbyismus und nicht strukturelle Korruption, die genau an dieser Stelle politisch und gesetzlich gewollt und begünstigt anfängt.

      Willkommen in der realen Blödmaschine der lobbygesteuerten Demokratie
      Was Plettenberg anbetrifft sehen wir jetzt, selbst wenn im Stadtrat ein Skandal ans Licht kommt, dann hat das zumindest keine Folgen oder gar Konsequenzen (außer dass Herr Müller sein Image selber zu einem weiteren Totalschaden deformiert). Herr Müller macht (zwar dünnhäutig geworden) weiter und erklärt den munteren Pleiteinvestor und Firmenverschachtelungskünstler Weining der Sepa zum Referenzmaßstab für Geschäftsmoral in Plettenberg. Das Stadtgespräch berichte darüber erst im Juni. Bürger, die sich dazu klar äußern werden kurzer Hand als sarkastisch und als boshaft abgemüllert. Nota bene: Nicht der Bm und der Stadtrat sind sarkastisch und boshaft, sondern die Bürger, die öffentlich darüber sprechen und ihre Ägste, ihren Ärger, ihren Unmut und ihre Wut bekunden. Das ist zum wiederholten Male die verdrehte Welt der Plettenberger Polit-Einsteins.

      Sinkende Wahlbeteiligung und strukturelle Korruption. Eine Zusammenhangsvermutung
      Willkommen in der realen Demokratie, kann man da nur in Anlehnung an den realen Sozialismus rufen und eine weitere Hypothese formulieren. Je höher die strukturelle Korruption und je tiefergestaffelt die strukturellen Abhängigkeiten sind, desto schneller und tiefer sinkt die Wahlbeteiligung. Deshalb ist meine Vorhersage: Bzgl. der Wahlbeteiligung ist in Plettenberg nicht nur reichlich Platz nach unten, denn durch strukturelle Abhängigkeiten im Rahmen der strukturellen Korruptionen werden in Plettenberg die politischen Entscheidungen oder Bäume gefällt, sondern es sollte niemand überrascht sein, wenn es auch bzw. sogar in Plettenberg und/oder im Sauerland in absehbarer Zeit politische Gewalt gegen Sachen und Personen geben könnte.

      Was sonst noch so alles wissenswert sein könnte
      Die Bürger würde vielmehr interessieren, ob der Bürgermeister oder seine Frau, oder wer sonst noch so, aus dem bisherigen oder vergangenen Stadtparlamenten Genossenschaftsanteile/Anteilsscheine der GWU und anderer Plettenberger Beteiligungsgesellschaften besitzt oder besessen hat, wie die Vergütungen für die Vorstände und die Aufsichtsräte sind usw..
      Aber solche Fragen wären ja wieder sarkastisch und boshaft, und das ist ja moralisch verwerflich, oder das ist die Urdrohung der Blödmaschine: Das sie vom Mittel zum Zweck wird, nur die Plettenberg sind nicht ganz so doof, wie der Rat glaubt.

      Fazit:
      Der von vornherein vergebliche Kampf um den Mammutbaum war richtig und wichtig, aber wir sollten uns etwas mehr um die strukturellen Tiefenstrukturen der erweiterten Kontexte und dem zugehörigen Personal kümmern und dem munteren Treiben der GWU (als lokal begrenzter neuer Heimat ) etwas genauer über die Schulter schauen. Und wenn wir gerade dabei wären auch dem Aqua Magis und einigen Beteiligungsgesellschaften und deren Protagonisten, sowie deren struktureller Verflechtungen sollte zukünftig eine entsprechende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu Teil werden, oder?